05. Oktober 2017

Die Folgen der großen Dürre – DAHW hilft im Südsudan

Die vor allem mit Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln beladenen Lastwagen vor der Abfahrt.

Die Dürre in Ostafrika forderte Ende letzten und Anfang dieses Jahres bereits zahlreiche Todesopfer. Nicht nur fiel die kleine Regenzeit im Herbst/Winter 2016 aus, auch die lange Regenzeit im Frühjahr ließ auf sich warten. Eine Dürre zerstört langfristig die Zukunft der unter ihr
leidenden Menschen. Geringe Ernten führen dazu, dass keine Körner als Saatgut zur Seite gelegt werden können, wodurch es im Folgejahr wieder zu Engpässen kommt. Besonders im Südsudan eskaliert die bedrohliche Situation durch den Bürgerkrieg weiter.

Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe hat von ihren Mitarbeiternvor Ort erschreckende Meldungen erhalten und intensiviert ihren Einsatz. 60 Jahre Erfahrung haben immer wieder gezeigt, dass Armut und Hunger zu einer erhöhten Ansteckungsgefahr durch Krankheiten der Armut wie Tuberkulose oder Lepra führen.


"Menschen ohne Nahrung: Selbst die Mitarbeiter des Gesundheitszentrums
haben kein Essen, um ihre Familien zu ernähren. Es fällt schwer, sich auf die Arbeit zu konzentrieren, wenn man nicht weiß, wie man seine Kinder ernähren soll."

Sw. Laura, Verwalterin des St. Thereze Nzara Hospitals


Schlechte Straßenverhältnisse zwischen Nzara und Riimenze erschweren die Nothilfe.
Schlechte Straßenverhältnisse zwischen Nzara und Riimenze erschweren die Nothilfe.
Foto: DAHW

So wurde im Frühjahr ein Hilfstransport nach Südsudan in die Stadt Nzara im Bundesstaat Western Equatoria nahe der kongolesischen Grenze geschickt, um die Menschen im Krankenhaus und in den Flüchtlingslagern zu unterstützen.

Die DAHW selbst nahm 100.000 € aus den Rücklagen. Weitere finanzielle Hilfe kam von der Diözese Stockholm und dem Bündnis Entwicklung Hilft.

Barbara Batesaki, Leiterin des Büros der DAHW in Uganda, und ihre Mitarbeiter besorgten die Lebensmittel sowie weitere Hilfsgüter und taten ihr Bestes, den Transport so schnell wie möglich auf den Weg zu bringen. Sie standen zudem in ständigem Kontakt mit den Comboni Missionary Schwestern im Nzara Hospital in Südsudan, die sich um die Verteilung kümmern würden.

Ein für die DAHW wichtiger Fokus in der Nothilfe lag und liegt vor allem darauf, die Mitarbeiter der Krankenhäuser zu unterstützen, sie vor Ort zu halten und so nachhaltig Hilfe zu ermöglichen. Sollten diese ausgebildeten Kräfte auch vor Hunger und Krieg fliehen müssen, würde eine Lücke in der Versorgung der Patienten entstehen.


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Flüchtlinge verteilen die Nahrungsmittel untereinander.
Flüchtlinge verteilen die Nahrungsmittel untereinander.
Foto: DAHW

Hunger schwächt das Immunsystem, wodurch eine Ansteckung an Lepra oder Tuberkulose wahrscheinlicher wird. Wenn es nicht möglich ist, die Erkrankten zu behandeln, werden diese die Bakterien auf ihrer weiteren Flucht verbreiten und es besteht die Gefahr, dass sich noch mehr Menschen anstecken. Zugleich kann es für medizinisches Personal unmöglich werden, die Patienten zu finden, die bereits eine Behandlung angefangen haben. Dadurch kommt es zu einer zusätzlichen Gefahr von Resistenzen.

Die Nahrungsmittel und Hygieneartikel wurden in Kampala erworben und eingeladen. Von dort wurden die rund 50 Tonnen Hilfsgüter Mitte April auf den Weg gebracht. Dieser führte aus Sicherheitsgründen nicht über die Grenze von Uganda in den Südsudan, sondern durch den Kongo.

Wer sich im Internet die Strecke anzeigen lässt, wird feststellen,dass man diese innerhalb eines Tages zurücklegen kann (zwischen 17 und 22 Stunden). Allerdings zeigen diese Karten weder die Zollstationen an, noch das unwegsame Gelände oder Wegelagerer. Erst Ende April kam der Lastwagen an die Grenze zwischen Kongo und Südsudan, wo er ein weiteres Mal im Zoll aufgehalten wurde. Hier war fast eine Woche nicht klar, ob der Hilfstransport die Grenze überqueren durfte, doch dank des Einsatzes von Schwester Linda, die das Krankenhaus in Nzara verwaltet, ging alles gut und die Reise weiter, durch ein von Rebellen besetztes Gebiet, welches ebenfalls sicher durchquert wurde.

Wenige Tage später erreichte der Lastwagen Nzara. 2 Tonnen Öl, 15 Tonnen Bohnen, 5 Tonnen Reis, 1,5 Tonnen Erdnüsse, 10 Tonnen Maismehl, 1 Tonne Milch für Kleinkinder, 7,5 Tonnen Zucker, 3 Tonnen Salz und 3,6 Tonnen Seife. Damit können zwei Monate lang etwa 3.000 Menschen versorgt werden. Erste Nahrungsmittel wurden recht schnell an die Mitarbeiter der Krankenhäuser sowie Patienten, Alte, körperlich Eingeschränkte und von Lepra betroffene Menschen verteilt.

Endlich gibt es im Krankenhaus wieder ausreichend Nahrung.
Endlich gibt es im Krankenhaus wieder ausreichend Nahrung.
Foto: DAHW

Die an das Krankenhaus angeschlossene Vorschule bekam ebenfalls Nahrungsmittel zur Verfügung gestellt. Nach der Hilfe für die Mitarbeiter und Helfer in Nzara selber ging es schließlich weiter nach Riimenze in das Flüchtlingslager. Riimenze ist nur knapp 40 Kilometer von Nzara entfernt, aber die lang erwartete Ankunft verspätete sich erneut durch die schlechten Straßenbedingungen und die trügerische Sicherheitslage. Im Februar hatten die Partner vor Ort (The Catholic Organization for Development and Peace) herausgefunden, wer alles zu den Flüchtlingen zählt, und es konnten 750 Menschen identifiziert werden, die Hilfe benötigten.

Vor Ort waren es tatsächlich wesentlich mehr, die den Lastwagen erwarteten. Hier nun entsprechend zu reagieren und gegebenenfalls die Nahrungsmittel neu einzuteilen, war eine große Herausforderung. Eine weitere Unsicherheit ist die nicht zu unterschätzende Anspannung vor Ort, gesteigert durch Hunger und Angst.

Mit Hilfe von Gruppenleitern aus der Mitte der Flüchtlinge konnte letztendlich eine friedliche Verteilung der Hilfsgüter sichergestellt werden. Insgesamt 350 Familien wurden versorgt. Ein besonderer Fokus lag zudem auf unterernährten Kindern und deren Mütter, an die als einzige zusätzlich Milch verteilt wurde.

Diese erste Hilfsaktion war trotz aller Schwierigkeiten ein Erfolg. Es wird nun ein zweiter Hilfstransport geplant. Die Herausforderungen sind noch immer dieselben.